Wenn ihr bleiben werdet in meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen und die 'Wahrheit wird euch frei machen" (Joh 8,30-36)
Wahrheit wenn sie wirklich wahr ist macht frei von Illusion und falschen Autoritäten. Die Wahrheit im biblischen Kontext ist immer empfangene geschenkte Wirklichkeit. Das im Neuen Testament verwendete griechische Wort für Wahrheit bedeutet: das Unverborgene.
Wenn Johannes von der Erkenntnis der Wahrheit spricht ist darum auch nicht die rationale Erkenntnis dessen gemeint was ist (Melitta Filtertüten). Erkenntnis der Wahrheit heißt biblisch Erkenntnis der Wirklichkeit Gottes die allein im Glauben (Stichwort Jüngerschaft s.o.) geschenkt wird.
Wahrheit ist im Johannesevangelium nicht in erster Linie eine Lehre sondern begegnet in einer Person.
Jetzt bleibt für mich die Frage wie beide "Wahrheiten" mit einer "Erkenntnistheorie" verbunden werden können... Was so ein Videoclip alles auslöst ...
Ich habe manchmal den Eindruck, dass das Problem an der ganzen Erkenntnisproblematik ist, dass wir den eigenen Wunsch, die Wahrheit einzunehmen und zu besitzen, mit der Wahrheit selbst verwechseln. Der Weisheitslehrers Anthony de Mello erzählt:
Einem Gast, der sich selbst einen Wahrheitssucher nannte, sagte der Meister: "Wenn du die Wahrheit suchst, musst du vor allem anderen eine Sache besitzen." "Ich weiß, ein unbezwingbares Verlangen nach Wahrheit." "Nein. Eine nie nachlassende Bereitschaft zuzugeben, dass du Unrecht haben könntest."
Mit dieser Geschichte wird nicht die Wahrheit relativiert sondern unser menschliches Vermögen, in ihren Besitz zu gelangen.
Aber was wäre die Alternative? Der Verzicht auf Wahrheit, weil jeder seine eigene Wahrheit haben darf? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich den Konstruktivismus überwinden will. Vielleicht liegt es aber auch nur am Wetter. Da kann man ja nur depressiv werden ....
Wenn man nach der Wahrheit einer Behauptung fragt, so will man wissen, ob sie sich auf Tatsachen gründet. Und das ist im modernen Verständnis, dann der Fall, wenn sie durch wissenschaftlich exakte Verifikationsverfahren begründet werden kann. Als "wahr" gilt uns also das, was dem methodisch geleitetem Denken der Wissenschaften standhält, also durch methodische Standards und Verfahrensweisen als "gewiss" deklariert werden kann. Für den normal denkenden Menschen macht es immer noch den Anschein, als ob sich das Wahrheitsproblem durch die Mittel und Methoden der modernen Wissenschaften und die immer weiter spezialisierenden wissenschaftlichen Disziplinen prinzipiell bewältigen lasse. Doch ist das nicht auch eine Illusion? Es gelingt offenbar nicht, wissenschaftstheoretisch einen unproblematischen Begriff der Wahrheit für die empirischen Wissenschaften zu begründen (so sehr ich auch Sir Poppers Arbeit schätze). Was ich sagen will: Wir machen uns auch in den (Natur)Wissenschaften kräftig etwas vor. Der Clip macht deutlich, wo einer der Haken ist (es gibt aus meiner Sicht mehrere). Alle Erkenntnis kann nur "medial" d.h. nicht direkt erfahren werden. Unsere Medien dabei sind u.a. unsere Sinnesorgane. Und das Wahrheitskriterium ist und bleibt das Konsenskriterium. Wenn mehr Menschen sage, dass der Stuhl rot ist als andere Menschen sagen, dass er grün ist ist er eben rot! Es muss in der heutigen Wahrheitsfindung auch ein Konsens bezüglich der Vorgehensweise der Wahrheitsfindung vorherrschen. Selbst wenn es diesen Konsenz gibt, sagt das aus meiner Sicht noch lange nichts über den Wahrheitsanspruch dieser Kriterien selbst aus.
Vielleicht sind wir als Naturwissenschaftler (und ich selbst beziehe mich da voll mit ein - steckt immer noch in den Genen ;-)) manchmal wie Pilatus (Joh 18,38), der mit einer scheinbaren Überlegenheit sich seine "Wahrheit" zurechtlegt und an Wahrheit eigentlich nicht ernsthaft interessiert ist. Jesus sagt von sich: "Ich bin die Wahrheit" (nur eine Wahrheit von vielen?)
Puuuhhh - wo bin ich denn da gelandet - Nichts ist härter als die Wahrheit
Habe gerade diesen älteren Spot bei MyVideo entdeckt. "Nichts ist härter als die Wahrheit"
Nach dem Johannesevangelium sagt Christus von sich selbst: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Doch auch damals stellte bereits Pontius Pilatus - im selben Evangelium - die Frage: "Was ist Wahrheit?" "Was ist schon Wahrheit? Was soll das Gerede von Wahrheit, wenn im wirklichen Leben ganz anderes zählt, z.B. die Machtfülle des römischen Kaisers und seiner Prokuratoren?"
War Pontius Pilatus der erste Vertreter des postmodernen Konstruktivismus (Jeder konstruiert sich seine eigene Wahrheit)?
Irgendwie werde ich immer wieder auf diese Frage nach der Wahrheit zurück geworfen. Primär vollzieht sich natürlich die christliche Wahrheit als Begegnung (so z.B. der Theologe Emil Brunner). Doch was bedeutet das eigentlich? Subjektivität? Wie verhalten sich theologischer und philosophischer Wahrheitsbegriff zueinander?
Allen verschiedenen Wahrheitsauffassungen ist gemeinsam, dass man um sie ringen muss. Die Naturwissenschaften zeichnen sich dadurch aus, dass es Methoden der Wahrheitssuche gibt, über die meist (z.T. immer weniger) ein hoher Konsens besteht. Es geht darum ein "richtiges" Bild von der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit zu gewinnen. Aber auch diese Wirklichkeit wird nicht einfach so entdeckt wie Amerika oder eine einsame Insel. Denn meist (immer?) wird die untersuchte Welt erst mit Hilfe der Theorien, die wir uns über sie machen, konstruiert. Wie könnte also eine Wahrheit aussehen, die die Gefahr des Relativismus ebenso vermeidet wie die eines Fundamentalisten?
Da hat Bild ausnahmsweise mal recht: Nichts ist härter als die Wahrheit
Ich habe vergangenen Sonntag eine Predigt gehalten über das 5-7. Gebot (bei mir ist es das 7. Gebot, aber die Zählweisen variieren) "Du sollst nicht ehebrechen". Dabei bin ich erneut auf ein nettes kleines Büchlein gestoßen, dass ich euch nicht vorenthalten möchte. Warum?
1. Der Autor (ein netter Studienkollege) hat sich die Mühe gemacht sich wirklich kurz zu fassen und die Dinge offen und direkt anzusprechen. Das Buch ist absolut teenietauglich und bietet gleichzeitig dem Erwachsenen eine herausfordernde kleine Lektüre. 2. Die Fragen, die Jochen Wagner stellt wollte ich schon immer mal stellen/beantwortet haben. Z.B.: - Sex ist das Normalste von der Welt! Ist das wirklich so? - Wo fängt Sex an? Was heißt es wenn in frommen Kreisen gesagt wird: kein Sex vor der Ehe? ... Der alte Satz "Kein Sex vor der Ehe" ist meiner Meinung unbrauchbar ...Wie viel Sex vor der Ehe ist gut für mich?... - Warum überhaupt heiraten? - In frommen Kreisen gibt es die Meinung, Selbstbefriedigung sei etwas Schlechtes. Ist das wirklich so? 3. Je höher die Besucheranzahl dieses Blogs umso höher die Gewichtung bei Google. Je höher die Gewichtung bei Google umso höher die Gewichtung der Internetseiten, die hier verlinkt sind. Je höher die Gewichtung der Internetseiten (z.B. www.moenchengladbach.feg.de) umso früher erscheinen diese bei den Suchergebnissen. Und wie erhöht man die Besucheranzahl? Mit dem Keyword "Sex" natürlich ;-) = ein Pastor versucht sich an SEO (= Suchmaschinenoptimierung) Neeh, nur Spass. Das Büchlein ist wirklich nett!
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